STADTPOMERANZE - führend in Nürnberg
05
Feb

Mein japanischer Weg!

Veröffentlicht von am in Ausstellung
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Ich liebe meinen Beruf als Kunsthistorikerin ...

nicht nur deshalb, weil ich mich selbst soooo gerne in den Museen dieser Welt aufhalte (im wahrsten Sinne des Worte ist es für mich "Halt") und auch nicht nur deshalb weil ich am liebsten von Kunst umgeben bin.

Nö, es ist tatsächlich so, dass Kunst und Kulturgeschichte mich und mein Alltagsleben bereichern und ich dadurch oft ausgetrampelte Pfade verlasse und neue Weg gehe, die ich mir vorher noch gar nicht habe vorstellen können. 

Sie wollen näheres wissen, mein lieber Blogleser? Im Moment habe ich für mich den japanischen Weg entdeckt. Und das passierte so: es war der 16. November 2017 und ich unternahm eine Kuratorenführung mit Dr. Murielle Hladik und Prof. Axel Sowa in der Ausstellung "Von der Kunst, ein Teehaus zu bauen. Exkursionen in die japanische Ästhetik." im Neuen Museum in Nürnberg.

Nun gut, ich liebe die japanische Kultur schon ein bisschen länger, eigentlich seit meiner Schulzeit und hatte damals schon Lust, der japanischen Lebensart und Sprache ein bisschen näher zu kommen. So trank ich als Teenager intensivst Tee am Boden sitzend und freute mich immer, wenn der Kandiszucker in meinem Teeschälchen klimperte. Ich trug Kimonos mit Kirschblüten, knotete mein Haar und räucherte mein Zuhause .... huch.... wenn ich nun so darüber schreibe, glaube ich doch tatsächlich, ich habe mit Weihrauch und Sandelholz damals ein bisschen orientalischen Zauber in mein Japanisches Leben gebracht. 

Deshalb dachte ich mir nun: nix wie hin, liebe Stadtpomeranze, und ein bisschen mitgegangen auf diesem musealen Entdeckungsweg zu japanischer Tee-Ästhetik in Form von Architektur, Teekultur, Zen-Buddhismus, in Form von Fließenden Grenzen und Wert des Unvollkommenen.

Und da war er urplötzlich da, mein neuer japanischer Weg! Und ist seitdem nicht mehr wegzudenken. Denn seitdem ich die Ausstellung und die Vorträge intensiv besucht habe, kann ich in meinem Alltag ohne folgendes Postulat nicht mehr auskommen:

Suche und finde den Wert des Unvollkommenen, meine Liebe!

Und so passiert es mir jetzt zum Beispiel, dass ich nicht mehr leichten Herzens wegschmeißen kann. Denn ein kaputter Teller, also ein Teller mit deutlich sichtbaren Sprung, tut mir immer noch mit Freude seinen Dienst. Altes Brot lässt sich wunderbar im Toaster aufknuspern. Und ein Pulli mit geflickter Stelle zeigt doch nur, wie sehr ich ihn liebe.

.... ich werde milder, dankbarer, nachgiebiger!

 

Okakura Kakuzo (1862 - 1913), ein japanischer Kunstwissenschaftler, schrieb in seinem berühmten "Book of Tea" über die Teekultur:

"Verehrt wird letztlich die Unvollkommenheit, denn der (Tee-)Kult ist nur der leise Versuch, angesichts der Unmöglichkeit, die wir Leben nennen, etwas Menschenmögliches zu vollbringen." (Begleitheft zur Aussstellung, S.31)

Sehr schön gesagt, Herr Kakuzo!

Auf dem Foto sehen Sie hinter mir die Treppe des Neuen Museums, für mich symbolisch mein neuer japanischer Weg!

 

WAS: Von der Kunst, ein Teehaus zu bauen. Exkursionen in die Japanische Ästhetik (Ausstellung)

WO: Neues Museum. Staatliches Museum für Kunst und Design Nürnberg

WANN: noch bis 18. Februar 2018. Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Donnerstag 10 bis 20 Uhr. Montag geschlossen.

 

 

 

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Die Kunst, die Stadtpomeranze zu sein: Kunsthistorikerin. Bloggerin. Spitze Feder. Schwarzer Strich. Fränkin. Original. Sommer. Wie Winter. Qualitätsfanatikerin. Romantikerin. Kostümiertes Schauspiel. Nackte Tatsache. Weltoffen. Bodenständig. Beruf. Berufung. Always on the run. Im Augenblick versunken.


Gästeführerin der Stadt Nürnberg. Museumspädagogin am KPZ (Kunst- und Kulturpädagogisches Zentrum der Museen in Nürnberg). Mitglied im Bundesverband der Gästeführer Deutschlands (BVGD). Mitglied des Vereins "Die Stadtführer e.V."

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Gast Freitag, 20 April 2018